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EVS in Spanien, April bis September 2010

April bis September 2010

Claudia Schneider, EVS in Santiago de Compostela bei der Organisation Don Bosco (2010-ES-88), von April bis September 2010.

Ich verbrachte diesen Sommer fünf wunderschöne Monate in Galizien, ein mir vorher nur durch den Jakobsweg bekannten Teil Spaniens, in dem man eine ganz eigene Mentalität wiederfindet, sehr herzlich, hilfsbereit und aufgeschlossen nicht nur gegenüber Freunden, sondern auch Unbekannten. Dadurch dass dieses Jahr ein Heiliges Jahr war, ein Jahr, in dem der Feiertag des heiligen Jakobs auf einen Sonntag fällt und dies sich erst wieder 2021 wiederholt, wurden bis zu zehn Millionen Pilger aus der ganzen Welt erwartet.

Um diese Internationalität auch empfangen zu können, wurde ein ganz wundervolles und einzigartiges Projekt erschaffen, das den Namen “EU Camiño” trägt. Insgesamt 29 Freiwillige aus ganz Europa vollbrachten von April bis November ihren Europäischen Freiwilligendienst dort. Wir arbeiteten in den Pilgerherbergen und empfingen die Pilger, übersetzten ihre Fragen und lösten ihre Probleme, unterstützen die heimischen Arbeiter, die sogenannten hospitaleros, bei der Datenaufnahme, informierten die Pilger über EFD und das Programm “Jugend in Aktion” und waren einfach für sie da, um mit ihnen zu reden, Erfahrungen auszutauschen oder Geschichten anzuhören. Täglich von 13 bis 18 Uhr waren wir in der Pilgerherbergen tätig, auf vier Tage Arbeit folgten zwei freie Tage.Claudia_Schneider_Spanien_2

Schon von Deutschland aus konnte ich eine sehr gute Organisation feststellen, es war alles sehr gut geregelt und es fand stets eine gute Kommunikation statt. Nicht nur meine Entsendeorganisation beantwortete all meine Fragen, hat mir bei der Projektsuche geholfen, die Antragstellung übernommen, die Reise organisiert, mich bei dem Ausreiseseminar angemeldet und alle Formalitäten geklärt, sondern auch die Aufnahmeorganisation hat alle offenen Fragen von allen Bewerbern geklärt, uns stets mit Informationen versorgt und uns bestens auf unseren Aufenthalt vorbereitet. Die Kommunikation lief reibungslos und einfach ab, entweder per E-Mail oder telefonisch. Auch als ich schon in Spanien war, hatte ich stets Kontakt mit meiner Entsendeorganisation und stand etwas an, das meine Aufnahmeorganisation nicht gleich für mich erledigen konnte, so wendete ich mich an meine Entsendeorganisation und mir wurde direkt geholfen. Die zwei Organisationen standen in Kontakt und sprachen sich miteinander ab, so wurde beispielsweise die Organisation des Hin- und Rückfluges und der Abschluss des Activity-Agreements durch beide Organisationen geregelt.

Vor Ort wurde mir nicht nur ein Mentor gestellt, sondern ich hatte auch an den drei Standorten, an denen ich gearbeitet habe, jeweils ein/e Koordinator/in. Diese waren immer für mich da, hatten stets ein offenes Ohr und kümmerten sich um alle Angelegenheiten, die man vor Ort regeln musste, z.B. die Errichtung eines Bankkontos. Sie begleiteten mich zu jedem Arzttermin oder auch ins Krankenhaus und verbrachten auch ihre Freizeit mit uns, so dass ich keinerlei Probleme hatte, mich in die Gesellschaft einzubinden. Mit jedem noch so kleinem Problem konnte ich mich jederzeit an sie wenden und sie waren auch immer sofort bei mir, wenn ich ihre Unterstützung und Hilfe brauchte. Mit meiner Mentorin hatte ich jeden Monat ein persönliches Treffen, in dem wir unsere Sorgen oder Probleme besprechen konnten. Wir sprachen über die tägliche Arbeit und reflektierten, ob alles gut läuft, was man verbessern könnte und wie man sich fühlt. Am Ende jeden Monats trafen sich alle 29 Freiwilligen in Santiago de Compostela, um eine allgemeine Bewertung über das Projekt zu machen und uns austauschen zu können. Um meine Mentorin jederzeit erreichen zu können, wurde ein Hotline eingerichtet, mit der es uns möglich war, kostenlos dort anrufen zu können. Sollte sie nicht in ihrem Büro gewesen sein, so war sie auch jederzeit auf ihrem Handy erreichbar.

Die Unterkunft war sehr gut, wir waren insgesamt acht Personen, die in diesem Ort zusammengewohnt haben, jeweils vier Personen in jeder Wohnung. Die zwei Wohnungen befanden sich im gleichen Gebäude, was ich sehr gut fand. Wir hatten genügend Platz und konnten uns ohne Probleme immer in einer Wohnung treffen. Die Zimmer waren sehr groß, wir hatten in jeder Wohnung zwei Einzelzimmer und ein Doppelzimmer. Es wohnten jeweils zwei Mädchen mit zwei Jungs zusammen und immer zwei Leute, die vorher schon Spanisch sprachen und zwei, die es dort lernten. Schon im Voraus haben wir per Los entschieden, wer sich ein Zimmer teilen wird und wer ein Einzelzimmer bekommt, so dass alles fair ablief. Der Ort, in dem wir wohnten und die zwei Orte, in denen wir arbeiteten, waren sehr schön. Wir bekamen ein Auto gestellt, mit dem wir zur Arbeit fahren konnten, das Geld für Benzin wurde monatlich abgerechnet. Während des ersten Monates bekamen wir weniger Essensgeld, da täglich für uns das Mittagessen organisiert wurde und die restliche Zeit bekamen wir einen monatlichen Betrag, mit dem wir alle gut zu recht kamen.

Dadurch dass ich schon so viele Mitbewohner hatte und wir insgesamt eine so große Gruppe waren, bin ich nicht herumgereist, um andere Freiwillige zu besuchen. Wir sind immer wieder in die anderen Orte gefahren, um uns dort mit anderen Freiwilligen aus unserer Gruppe zu treffen, denn wir waren insgesamt auf 150 Kilometern auf dem Jakobsweg verteilt. In den Urlaub bin ich einmal in den Süden Spaniens gefahren, um dort Bekannte an dem Meer zu besuchen, jedoch keine anderen Freiwilligen.Claudia_Schneider_Spanien_4

Mit der Sprache hatte ich keinerlei Probleme, da ich ja im Voraus schon Spanischkenntnisse hatte. Dadurch war es für mich auch nicht sehr schwierig, die dort ansässige Landessprache, das gallego, zu verstehen. Selbst sprechen konnte ich zwar nur wenig, doch den Sinn einer Unterhaltung verstand ich, denn vor allem ältere Leute können dort oft gar kein “Schulspanisch”. Der Sprachkurs war zur Wiederholung und zur Einstellung auf das spanische Sprechen sehr gut, wir bekamen auch selbst nach dem ersten Monat, in dem wir nicht mehr in Santiago waren, noch Fernunterricht per Email, so dass wir für jeden Tag circa 1 Stunde Hausaufgaben hatten, die wöchentlich abgegeben wurden und dann korrigiert wurden.

Die vier Bildungsseminare fand ich sehr interessant und lustig. Es war stets ein abwechslungsreiches Programm und eine sehr gute Möglichkeit des Kennenlernens und des Austauschens. Das Ausreiseseminar in Deutschland war eine gute Vorbereitung auf die Zeit im Ausland und klärte alle noch offenen Fragen. Dort und auch im Zwischenseminar hatte man die Möglichkeit, andere Projekte und andere Freiwillige kennen zu lernen und auch das On-Arrival-Training war sehr wichtig, da es vor allem in unserem Projekt das Kennenlernen sehr einfach machte. Man lernte gleich die ganze Gruppe lernen und verlor alle Berührungsängste.

Die größte Herausforderung für mich persönlich in diesen Monaten war, zuerst mit 28 anderen Jugendlichen aus ganz Europa zusammen zu sein und später mit sieben Jugendlichen zusammenzuwohnen. Es gab immer wieder kleinere Probleme, was aber auch völlig normal ist, aber im Nachhinein kann ich sagen, dass es die beste Erfahrung war, die ich machen konnte. Ich war nie allein, es war immer was los und man hatte immer jemanden, mit dem man über seine Probleme reden konnte oder der einfach für einen da war. Ich habe unglaublich viel über die verschiedenen Kulturen und Länder gelernt und wurde ganz automatisch offener gegenüber anderen Menschen. Den Europäischen Freiwilligendienst kann ich nur allen denjenigen weierempfehlen, die Lust haben, andere Kulturen und Menschen kennenzulernen, bereit sind, sich zu engagieren und neue Erfahrungen zu machen. Letztendlich hängt es an jedem selbst, wie sein Freiwilligendienst abläuft und wie viel er davon mitnehmen kann, aber es wird immer eine einzigartige Chance und eine bereichernde Erfahrung für das ganze Leben sein.

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