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EFD in Belgien, September 2010 – Juli 2011

Abschlussbericht von Eva Kappeller, EVS im Dienstverleningscentrum De Triangel (2010-BEFL-26) in Belgien, September 2010 – Juli 2011

Zum EVS gehört auch dazu einen Abschlussbericht zu schreiben, was ich bisher immer vor mir hergeschoben habe. Abschluss hört sich so endgültig an.

Ich bin jetzt schon wieder über einen Monat zurück in Deutschland, habe mein letztes Seminar hinter mir und der Ausbildungsstart steht auch schon vor der Tür. Ich denke sehr gerne an meine 10 Monate in Belgien zurück und vermisse das Land, die Leute, die Sprache, die Arbeit, die schöne Zeit, die Unabhängigkeit, das viele Reisen, einfach fast alles. Aber es fühlt sich teilweise auch so unwirklich an: man kommt zurück in die Familie und muss sein „unabhängiges“ Leben wieder komplett umstellen und sich an die Familie „gewöhnen“.

Zu meinem EVS:

Ich war für 10 Monate in unserem, mir völlig unbekannten, unscheinbaren, Nachbarland Belgien. Ich hatte davor noch nie mit dem GedankenEva_Kappeler_Belgien_4 gespielt nach Belgien zu gehen und wollte eigentlich mein EVS in Island, Norwegen, Schweden, oder so leisten. Doch es kam anders. Da ich auf meine Bewerbung in einem Projekt in Island und Schweden keine Antwort bekam, ich jedoch unbedingt ins Ausland wollte, habe ich nicht weiter Länderbezogen, sondern Projektbezogen nach etwas geeignetem gesucht. So stieß ich auf MEIN Projekt und hatte Glück. Ich wurde genommen und das Projekt auch genehmigt.

Meine 10 Monate habe ich im Dienstverleningscentrum De Triangel in Lovendegem verbracht, einer Einrichtung für geistig Behinderte. Die Einrichtung ist ziemlich groß und setzt sich aus Wohngruppen innerhalb und außerhalb des Geländes, dem Arbeitsplatz mit verschiedenen Ateliers, dem kleinen Bauernhof, dem Gebäude mit den Therapeuten(Physiotherapie, Ergotherapie, Musiktherapie…) und der Verwaltung, Cafeteria, der Kapelle und der Schule zusammen.

Ich habe vorwiegend auf dem Bauernhof mitgearbeitet, aber auch in einem Atelier im Arbeitsplatz. In anderen Ateliers habe ich mich nur mal umgesehen. Jedoch habe ich jeden Montagvormittag bei der „musikbeleving“ und im „snoezelruimte“ verbracht. Montagnachmittag war ich im „bezigheidnamiddag“, bei dem Aktivitäten für stärker geistig Behinderte angeboten werden. Denn zum Arbeitsplatz und auf den Bauernhof dürfen zum Arbeiten nur die erwachsenen Behinderten, die selbst etwas tun können.

Die verschiedenen Ateliers sind das Kerzen-, Filz-, Karten-, Mosaik-, Holz-, Koch-, Fimo-, Crea-, Nähatelier.

Außerdem gibt es noch das „danslabo“, wo Tänze geübt werden. In diesem Atelier war ich auch eine Zeit lang. Auf dem Bauernhof gibt es auch verschiedene Gruppen/Ateliers. Diese sind die Bauernhofgruppe, welche die Tiere versorgen, füttern, Ställe ausmisten, den Bauernhof unterhalten; eine Gemüsegartengruppe, die sich um den Obst- und Gemüsegarten kümmert, Pflanzen großzieht, Unkraut jätet, erntet und Marmelade macht; die Gartengruppe, die den Kräuterund Blumengarten pflegt und Liköre, Hustensirup, Öl,… herstellt.

Auf dem Bauernhof habe ich in allen Gruppen mitgearbeitet.

Da es in meinem Projekt auch zwei Pferde gab, hatte ich auch die Möglichkeit beim „Therapeutischen Reiten“ mitzuarbeiten.

Für die älteren Behinderten, ab 60 Jahren gab es den „Hobbyclub“, der verschiedene Aktivitäten für die „pensionierten“ Behinderten anbietet. Dort habe ich auch einen Vormittag verbracht.

Ich habe 5 Tage in der Woche gearbeitet und jeden Tag in einem anderen Atelier. Was sehr schön war, dass mit mir zusammen ein Stundenplan erstellt wurde, wann ich wo bin und meine Vorlieben berücksichtigt wurde.Eva_Kappeler_Belgien_2

Ich habe mich durch meine Entsende- und Aufnahmeorganisation gut betreut gefühlt. Die Zusammenarbeit und Verständigung via Email hat gut geklappt. Nur bei meiner Aufnahmeorganisation gab es kleine Schwierigkeiten, da die für die EVSler zuständige Person nicht immer informiert war, viel Urlaub hatte und auch nicht so viel Kontakt zu mir gesucht hat.

Mit den Formalitäten und Organisation der Seminare hat auch alles gut geklappt; ich kann mich nicht beschweren. Die vier Bildungsseminare sind Pflichtbestandteil des EVS, was seine Vorteile hat. Doch ich hatte mir teilweise etwas anderes von den Seminaren erwartet. Vor allem von den Seminaren im Aufnahmeland. Ich fand die Seminare in Belgien zu sehr auf psychologische Aspekte orientiert. Außerdem waren wir die ganze Zeit im Haus und ich hatte erwartet, dass wir eventuell einen Ausflug machen, um Belgien etwas kennenzulernen. Das fand ich etwas schade, dass dies zu kurz kam. Was ich von den Seminaren mitgenommen habe, war vor allem die Möglichkeit im Ausland schnell Leute kennenzulernen.

Untergebracht war ich in einem großen Haus in Gent. Ich habe dort zusammen mit meinen Vermietern und anderen ausländischen Studenten gewohnt. Da ich die jüngste war und die erste Freiwillige haben meine Vermieter mich etwas anders behandelt und so wurde ich zur zeitlichen „Tochter“.

Was natürlich auch zum EVS gehört, ist reisen. Anfangs bin ich eher allein losgezogen um Belgien zu erkunden. Doch alleine, ist das auch nicht immer schön. Nach den Trainings im Aufnahmeland hatte ich jedoch andere Freiwillige kennengelernt und wir haben uns so gut verstanden, dass wir uns beinahe jedes Wochenende getroffen und etwas unternommen haben. Unser Highlight war dann noch eine gemeinsame Reise nach Irland. Meine Vermieter waren auch sehr freundlich und haben mich gleich am ersten Wochenende nach Lille, in Frankreich, mitgenommen und mich auch sonst in ihr Familienleben integriert. So war ich dann auch zweimal bei Familientreffen.Eva_Kappeler_Belgien_1

Mit der Sprache hat es nach einer Weile ganz gut geklappt, da Flämisch auch nicht so unterschiedlich zu Deutsch ist. Auf meinen Sprachkurs musste ich leider zwei Monate warten und ich habe mich im Sprachkurs recht schnell gelangweilt, weil der Level schnell zu niedrig war. Es war für mich jedoch sehr hilfreich, um die Hemmschwelle, in einer fremden Sprache zu reden, zu überwinden.

Ich würde EVS jedem empfehlen. Man lernt ein neues Land und die Menschen kennen und lieben. Mein EVS hat mir sehr viel gezeigt und gebracht. Man kann sehr viel über sich herausfinden und Höhen und Tiefen meistern. Durch mein EVS habe ich gemerkt, dass ich ganz alleine in einem fremden Land zurechtkomme ohne immer die Familie um sich zu haben. Ich bin selbstbewusster und selbstständiger geworden. Ich konnte ganz neue Erfahrungen sammeln, da ich noch nie zuvor im Bereich geistig Behinderte gearbeitet habe. Es war einfach eine schöne Zeit und etwas ganz anderes als Schule.

Groetjes Eva