Mit wachsender Sorge beobachten wir die derzeitige Verknappung finanzieller Mittel, die neben vielen öffentlichen und gemeinnützigen Einrichtungen aus Kultur und Bildung auch die Arbeit des Jugendwerks der AWO und insbesondere die Kinder und Jugendlichen in Baden Württemberg durch den Wegfall von Angeboten und Förderung direkt trifft.
Lebensqualität durch Bildung, Kultur, Gewaltprävention, Integration und Naherholung sehen wir als genauso wichtig für einen Wirtschaftsstandort wie technische Einrichtungen.
Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum viele politisch Verantwortliche „ohne Schmerzgrenze“ an einem kostenmäßig unüberschaubaren Projekt wie Stuttgart 21 festhalten, das spätestens nach dem drastischen Ausfall von Steuermitteln im Zuge der aktuellen Wirtschaftskrise massiv auf Kosten der Gesellschaft und insbesondere der Zukunft von Kindern und Jugendlichen geht.
Gleichzeitig wird immer klarer, daß die Entscheidungen in Parlamenten und Gremien auf der Grundlage veralteter Zahlen und vorenthaltener Tatsachen getroffen wurden.Seit der Entscheidung für Stuttgart 21 haben sich die Kosten um mehrere Milliarden erhöht und die finanziellen Spielräume des Landes und der Stadt haben sich durch einen drastischen Einbruch von Steuereinnahmen wesentlich verschlechtert. Zudem sind den Entscheidern wichtige Tatsachen wie das SMA Gutachten im Auftrag des Landes, das belegt, daß die Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofes weit unter den Erwartungen liegt vorenthalten worden.
Wir fordern daher alle Akteure auf, ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst zu nehmen und mit Sorgfalt und Weitblick das Projekt Stuttgart 21 zu überprüfen. Wir sehen durchaus Möglichkeiten, technische und gesellschaftliche Entwicklung als gleichwertige Ziele im Rahmen der Möglichkeiten nachhaltig und schrittweise zu realisieren und treten dem Aktionsbündnis „Kopfbahnhof 21“ bei, durch das wir die Interessen von Kindern und Jugendlichen weitaus stärker berücksichtigt sehen als in der aktuellen Umsetzung.
Auch der Landesjugendring BW, die Vertretung aller Jugendverbände in Baden Württemberg hat auf seiner Vollversammlung am 17.4. seine Kritik an Stuttgart21 aus dem Jahr 2007 bekräftigt. Pressemitteilung des LJR Baden Württemberg
Hintergrundinformationen zu Stuttgart21 und der damit verbundenen Problematik findet sich in einem Artikel von Prof. Dipl.-Ing Karl-Dieter Bodack: Für Stuttgart21 gibt es viele Gründe - welches sind die ausschlaggebenden?
Weitere Informationen zur Problematik des Projekts Stuttgart 21und ein mögliches Alternativkonzept finden sich auf der Seite www.kopfbahnhof21.de. dort kann auch das von der Landesregierung in Auftrag gegebene SMA Gutachten eingesehen werden welches nach journalistischen Recherchen veröffentlicht werden konnte und viele bisher unbekannte Schwachstellen der Planung aufzeigt.
Über die Initiative Stuttgarter Appell besteht die Möglichkeit, sich ohne Partei für eine Alternative zu ergreifen für ein Moratorium auszusprechen.
Eine Möglichkei, sich gegen das Projekt Stuttgart 21 einzusetzen, ist ein Eintrag auf der Seite der Initiative "Die Parkschützer", die sich gegen die Zerstörung des Stuttgarter Schloßgartes durch Stuttgart 21 einsetzt. Der Stuttgarter Schloßgarten ist hier auch als symbolisches Sperrgrundstück zu sehen: www.Parkschuetzer.de
Für ein Moratorium kann jeden Montag vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof um 18.00 demonstriert werden.
Stellungnahme des Jugendwerks zur Gewalteskalation der Polizei am 30.9.2010